27.01.2026 :: Konzert im Herder Gymnasium

27. Januar – Tag des Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Einen Vormittag voller Programmpunkte – gestaltet von Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen des Herder-Gymnasiums in Westend. Neben der Ausstellung im Eingangsbereich des Veranstaltungsraumes, haben eine Gruppe Schülerinnen und Schüler eine Ausstellung vorbereitet über Hans Ludwig Cohler „Einer von uns“ und weiteres. Bilder finden Sie im Anschluss an den Artikel.

Programmblock aus der Website des Herder-Gymnasiums.
Folgen wir dem Programm ..

Nach der Begrüßung durch die Schulleiterin Frau Schallbruch, sang der Shalom Chor Berlin eine Auswahl seiner Lieder, beginnend mit dem Lied ‚Eli, Eli‘ der ungarisch-jüdischen Dichterin und Widerstandskämpferin Hannah Szenes. Sie gilt in Israel als Nationalheldin.

Zwei Schülerinnen aus dem Grundkurs Geschichte der Klasse 12, führten das Publikum über den Pfad der Erinnerung, der Gedenkregion Charlottenburg-Nord zwischen der Gedenkstätte Plötzensee und den benachbarten Kirchen, die sich dem Gedenken an den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur widmen.

Die Schülerin Donika K. spielte Frédéric Chopin – Nocturne No. 21 in C-Minor.

Anschließend zeigten drei Schülerinnen und ein Schüler des Leistungskurses Kunst – Klasse 12 – eine Multi-Media-Präsentation über Charlotte Salomon „Leben? Oder Theater?“ mit farbenprächtigen eigenen Bildern im Stile Salomons. [Genehmigung zur Veröffentlichung liegt vor. Danke.]

Pedro Elsbach erzählt aus seiner Familiengeschichte.

Einleitend erklärt er dem Publikum, dass dieser GedenkTag auch ein ganz besonderer Tag für ihn persönlich sei: Hätten seine Eltern 1938 Deutschland nicht verlassen, wäre er heute nicht als Redner hier. Für diese Weitsicht dankt er seiner Familie.
Anhand einiger Bilder berichtet er über seine Familiengeschichte.

Einstieg mit der Stolpersteinverlegung am 5.03.2018 für seine Großeltern Adolf und Frieda Elsbach, sowie der Tante Else. Dazu wurde eine Abhandlung in der Klasse verteilt.

Mit der Geschichte des Vaters Alfred Elsbach, der im Ersten Weltkrieg diente, reflektierte er den Antisemitismus während der Wehrzeit sowie die Frage der mentalen Einstellung der Juden zum Dienst im Ersten Weltkrieg.

Aspekte zur Auswanderung seines Vaters auf der Cap Arcona nach Montevideo und der Aufbau eines neuen Lebens in der neuen Welt wurden mit Bildern unterlegt. Ein Auszug aus der Bordliste der Cap Arcona zeigt bereits die Aktivitäten, die für das neue Leben wichtig waren: Mit kurzen Notizen zur Gästeliste notiert der Vater schon auf der Reise, wen er ansprechen könnte.

Der Vater war erfolgreich als Geschäftsmann, lernte seine Frau kennen, heiratete und bekam eine Tochter und einen Sohn, Pedro, der die Geschichte seiner Familie hier vorträgt. Die Rückkehr der Familie nach Deutschland 1956 brachte neue Anfeindungen mit sich, weil sich die Familie mit dem Vorwurf des Überlebens auseinandersetzen mussten.

Pedro Elsbach feierte seine Bar Mitzwa 1963 mit der ganzen Schulklasse. Er bekräftigte seine Verbundenheit mit Estrongo Nachama sel., dem damaligen Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der den Shalom Chor mit Elisabeth Liebig, der damaligen Kantorin der Baptistengemeinde, 1994 gegründet hatte. Der Weg zur Synogalmusik war geebnet.

Zum Schluss appelliert Pedro Elsbach an das junge Publikum:

Leistet immer Widerspruch gegen diejenigen, die den Holocaust verneinen oder relativieren, denn es war kein’Vogelschiss unserer Geschichte‘.
Während meiner Schulzeit habe ich nie Antisemitismus erlebt, doch die heutige Zeit ist wirklich anders und der steigende Antisemitismus muss einen beunruhigen. Ich bin nur dann für die Zukunft zuversichtlich, wenn auch Ihr aus der Geschichte eure Lehren zieht und Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Alltag bekämpft.

An dieser Stelle möchten wir Pedro Elsbach danken, der uns einen Einblick in seine Familiengeschichte ermöglicht hat.

Der Shalom Chor Berlin rundete die Veranstaltung mit einem weiteren Liedblock mit vier Liedern ab.

Osseh shalom, bimromaw
Hu ya’aseh shalom aleinu
V’al kol Ysrael
ve imru. Amen

Der Frieden stiftet in den Himmelshöhen, stifte Frieden unter uns und in ganz Israel. Sprecht: Amen.

Hinweise zu weiteren Veranstaltungen für diesen Gedenktag, die dem Shalom Chor bekannt gegeben wurden