Feedback zum Konzert am 11. November 2025
11/2025-SDEROT– Shalom-Chor Berlin begeistert beim Benefizkonzert
Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat nach dem Konzert ein umfangreiches Feedback gegeben. Wir veröffentlichen mit Dank den gesamten Artikel. [Quelle]

Sderot / November 2025
„Ich darf Sie heute als Hausherr begrüßen“ – mit diesen Worten hieß Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff, zuständig für Stadtentwicklung, die Sängerinnen und Sänger des Shalom-Chores Berlin n.e.V. im Rathaus Steglitz herzlich willkommen. Am 11. November 2025, in bewusster zeitlicher Nähe zum Gedenktag der Reichspogromnacht, gab der Chor unter der Leitung von Hemi Levison ein Benefizkonzert im Alten BVV-Saal. Natalia Gutmann begleitete am Klavier.

Der Konzerterlös in Höhe von 750 Euro geht an das Kinderhaus im Kibbuz Ruhama, das sich ganz in der Nähe von Sderot, der israelischen Partnerstadt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, befindet. Dort haben die Bewohner des am 7. Oktober 2023 vollständig zerstörten Kibbuz Kfar Aza ein neues Zuhause gefunden. Ruhama war die einzige Siedlung der Negev-Region, die während der terroristischen Anschläge unversehrt blieb und nicht evakuiert werden musste. Das Kinderhaus bietet den aus Kfar Aza evakuierten Kindern einen sicheren Ort zum Lernen und zur Regeneration.
Der Chor arbeitet eng mit dem Jüdischen Nationalfonds Deutschland e.V. (JNF-KKL) und der gemeinnützigen Elsbach-Stiftung zusammen. Beide Organisationen sorgen für eine reibungslose logistische und finanzielle Unterstützung.
„Wir haben in den vergangenen Jahren viele schlimme Bilder gesehen“, sagte Bezirksstadtrat Steinhoff zur Einordnung der innenpolitischen Lage in Israel und Palästina. Er hoffe, dass die Spenden zu einer Verbesserung der Lage und einer gewissen Normalisierung für die Kinder vor Ort führten, fügte er hinzu.
Aktuell hat Ruhama etwa 650 Einwohner, darunter 250 Kinder. Zu Beginn des Krieges wurde das Kinderhaus von Soldaten als Unterkunft genutzt. Nun bedarf es dringend einer grundlegenden Renovierung, die unter anderem die Erneuerung der Dach- und Bodenstruktur, die Modernisierung der Sanitäranlagen, die Schaffung eines barrierefreien Raums sowie die Neugestaltung der Klassenräume und Außenbereiche umfasst. Zudem wird der Schutz für Notfälle verbessert. „Der Wiederaufbau der israelischen Ortschaften entlang des Gaza-Streifens nach den verheerenden Angriffen der Hamas (…) und dem darauffolgenden Krieg ist eine nationale Herausforderung“, schreibt der JNF auf seiner offiziellen Webseite.
Der Chor gewährte einen Einblick in sein vielfältiges, abwechslungsreiches Repertoire mit teils heiteren, teils melancholischen Liedern. Ein besonderes Merkmal der synagogalen Liturgie ist der dialogische Wechselgesang zwischen Chor und Kantor, bei dem Hemi Levison mit seiner hinreißend schönen und warmen Baritonstimme brillierte. Am Ende des Konzerts wandte er sich in einer kurzen Videobotschaft direkt an die Kinder von Ruhama und übermittelte die besten Grüße des Shalom-Chores.
Die berührenden Texte zwischen den einzelnen Gesangsstücken sprach Sänger Armin Hoffmann, der gleichzeitig Theologe und Religionswissenschaftler ist. „Es geht um das Gebet um Frieden für alle Menschen und für das Volk Israel, um die Hoffnung, dass es endlich zu einem Ende kommt mit der Not und dem Leid – nicht nur Israel, sondern auch auf der ganzen Welt“, umschrieb er das Thema, unter dem „wir dieses Konzert gestalten wollen“. Aus einem der poetischen Liedtexte schimmert eine fast prophetische Hoffnung durch: „Wir werden noch lernen, zusammen zu leben zwischen den Olivenhainen. Kinder werden ohne Angst leben, ohne Grenzen, ohne Luftschutzräume. Gras wird über den Gräbern wachsen für Frieden und Liebe“.
Insgesamt war der Konzertabend ein kultureller Höhepunkt im Rahmen des 50. Partnerschaftsjubiläums zwischen Steglitz-Zehlendorf und Sderot, das 2025 begangen wird. Im Juli waren aus diesem Anlass Delegationen aus Sderot und Kiriat Bialik in unseren Bezirk gereist, angeführt von den Bürgermeistern Alon Davidi (Sderot) und Eli Dukorski (Kiriat Bialik) (wir berichteten).
Der Städtepartnerschaftsverein Steglitz-Zehlendorf e.V. war durch seinen stellvertretenden Vorsitzenden Rolf Breidenbach im Publikum vertreten. Ein weiterer Ehrengast war Mario Marschall, Büroleiter des Jüdischen Nationalfonds Deutschland e.V. (JNF-KKL). Pedro Elsbach, Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung, ist selbst Chorist und pflegt eine enge Beziehung zum JNF-KKL.
November 2025: Renate Schröder besucht Kinderheim Ruhama
Während der Shalom-Chor auf der Bühne des Rathauses Steglitz stand, befand sich Chormitglied Renate Schröder in Israel. Am 11. und 17. November 2025 besuchte sie das Kinderhaus in Ruhama und überbrachte den Kindern sowie ihren Betreuern Geschenke. Die jungen Gastgeber waren so begeistert, dass sie um die Wette strahlten, Pappkartons mit der Aufschrift „Dankeschön“ bemalten und sich sogar in deutscher Sprache bedankten.
„Von Tel Aviv ist man mit dem Zug ganz schnell in Sderot und es macht Freude, dorthin zu fahren“, schwärmte Renate Schröder nach ihrer Rückkehr. Es klang wie eine Einladung, es ihr gleichzutun. Auf jeden Fall war ihr das gemeinsame Basteln und Malen mit den Kindern ein echtes Herzensanliegen.
Porträt des Shalom-Chores Berlin
1994 gründete Kantor Estrongo Nachama (1918-2000) den Shalom-Chor in der Baptistengemeinde Steglitz. Dem damaligen Oberkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin lag der jüdisch-christliche Dialog besonders am Herzen. Im Februar 2024 erhielt der Platz vor der Gail-S.-Halvorsen-Schule den Namen „Estrongo-Nachama-Platz“. Die musikalische Umrahmung der Einweihungsfeierlichkeiten am 16. Februar 2024 gestaltete der Shalom-Chor (wir berichteten). Seit mehreren Jahrzehnten leistet das aus rund 40 Sängerinnen und Sängern bestehende Ensemble einen wichtigen Beitrag zur Pflege synagogaler Chormusik und zum interreligiösen Dialog in Berlin. Die Mitglieder sind überwiegend in verschiedenen Kirchengemeinden und der Jüdischen Gemeinde beheimatet.
Auftritte führten den Chor zum Beispiel nach Israel und nach Wien. Im Rahmen einer Konzertreise Anfang September 2019 gastierte er in unserer israelischen Partnerstadt Kiriat Bialik. Unter dem Motto „Shalom Kiryat Bialik“ erfolgte am 31. Oktober 2016 ein Auftritt im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf. Am 6. Mai 2015 gestaltete der Chor vor israelischen Gästen einen Festakt im Hertha-Müller-Haus, bei dem es zwei Jubiläen zu feiern gab: 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Kiriat Bialik und 40 Jahre mit Sderot. Aus Anlass der feierlichen Benennung des Zehlendorfer „Sderotplatzes“ übernahm der Chor am 8. Juni 2009 die musikalische Gestaltung.
Regelmäßig gestaltet das Ensemble sogenannte „Israel-Gottesdienste“, die meistens in der Baptistengemeinde Steglitz stattfinden. Hemi Levison, Bariton, Flötist und Kantor, stammt aus Tel Aviv und leitet den Shalom-Chor seit Juni 2022.
Christian Urlaub, Beauftragter für Partnerschaften | Kirchstr. 1/3, 14163 Berlin
